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Andreas Lindner (ORF 2 So, 24.03.2024, 22:00)
ZiB 2

In der ZiB 2 analysiert Martin Thür das Ergebnis der Stichwahl zum Salzburger Bürgermeister. Der SPÖ-Kandidat Bernhard Auinger hat dort vor dem Kommunisten (KPÖ plus) Dankl die Wahl gewonnen.

Im Interview mit der Politologin Katrin Praprotnik fragt er: "Jetzt wird ja sehr viel diskutiert über die KPÖ, den plötzlichen Aufstieg der Kommunisten in Österreich. Ist das eine Bürde, weil sehr sehr viel über den Kommunismus diskutiert wurde und die schreckliche Vergangenheit ..."

Das ist interessant bis aberwitzig, denn der ORF hat keinesfalls "sehr sehr viel" über die schreckliche Vergangenheit des Kommunismus diskutiert oder berichtet hat.

Ganz im Gegenteil, ist dem Autor z.B. noch das absurde ORF-Schmeichelinterview mit dem Kommunisten Dankl von Anfang März in Erinnerung, welches ein gewisser Andreas Heyer vom ORF-Salzburg geführt hat. Eine Replik dazu ist auf dieser Seite nachzulesen.

Und diese scheinheilige Behauptung, es wäre "sehr sehr viel" über die schreckliche Vergangenheit des Kommunismus diskutiert worden – im ORF jedenfalls auf keinem Kanal – widerlegt Martin Thür gleich selbst, vermutlich unfreiwillig.

Denn nur wenige Minuten nach diesem Interview berichtet die ZiB2 über die anstehenden 'Wahlen' in Venezuela - eine sozialistische Diktatur der Gegenwart.

Martin Thür bringt es in seiner Moderation nicht zustande, das Wort kommunistische oder sozialistische Diktatur auch nur in den Mund zu nehmen. Das ist absolut grotesk, angesichts dessen, dass er wenige Minuten zuvor die Frage gestellt hat, weshalb die Menschen dennoch kommunistisch wählen, wo doch scheinbar so viel über deren schreckliche Vergangenheit diskutiert worden sei. Scheinheiligkeitstest bestanden.

In dem folgenden, knapp dreiminütigen Beitrag über Venezuela, erwähnt der ORF-Korrespondent Josef Manola dann sage und schreibe ein(1) einziges Mal, dass bei freien Wahlen der "sozialistischen Revolution" Maduros wohl eine Abfuhr drohe. Das wars dann auch schon wieder mit Hinweisen auf Kommunismus und Sozialismus in Venezuela.

In dem Beitrag über die sozialistische Diktatur Venezuelas ist die Rede von Misswirtschaft, Hungersnot und Hyperinflation, einer großen Fluchtwelle von 7 Millionen Menschen vor Verarmung und Chaos, korrupten Polizisten, welche mit Express-Entführungen Geld verdienen, schweren Delikten gegen die Menschenrechte, die nicht geahndet würden. 

Das sind praktisch die Standard-Zutaten eines sozialistisch-kommunistischen Systems. Aber der ORF beweist eindrucksvoll – so wie schon vor der Salzburg-Wahl –, dass er nicht gewillt ist, den Menschen die wahren Zusammenhänge und Fakten näherzubringen.

Lieber zeigen sich ORF-Redakteure und Moderatoren nach geschlagener Wahl scheinbar verwundert darüber, daß die Menschen dennoch kommunistisch wählen.