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Asyl-Trendwende - vom ORF perfekt versteckt

Andere, Mi, 12.02.2020, 17:52 | Niklas G. Salm

Ein Paradebeispiel an ausgeklügelter linker Verwirrtaktik liefert der ORF einmal mehr mit seinem Online-Bericht über die soeben veröffentlichte Asylstatistik. Die titelt "Asylanträge gingen 2019 leicht zurück". Das klingt ja nicht so schlecht, fast nach Entwarnung, doch wenn wir zu den genauen Zahlen kommen, wird es schon etwas weniger erfreulich. 12.511 Asylansuchen wurden 2019 noch immer gestellt, obwohl die Balkanroute angeblich geschlossen und die Völkerwanderung angeblich vorbei ist. 

Man lasse sich diese Zahl auf der Zunge zergehen - 12.511! Das ist immerhin eine komplette (Bezirks-)Stadt in der Größe von Vöcklabruck, Leibnitz, Neunkirchen, St. Veit an der Glan oder Knittelfeld. Und das in nur einem Jahr, in dem noch dazu die Massenmigration nach offizieller Lesart komplett zum Erliegen gekommen ist und laut medialen Behauptungen in Endlosschleife keinerlei Grund zur Aufregung mehr gegeben ist. 12.511 Asylanten im kleinen Österreich in nur einem Jahr. Spitze!

Syrer bekommen übrigens noch immer zu rund 90 Prozent Asyl zugesprochen, obwohl in 90 Prozent von Syrien längst kein Krieg mehr ist. Wie erfreulich für all die Syrer aus aller Welt, die deshalb völlig überraschend weiter an der Spitze der Antragsteller-Nationalitäten stehen. Zusammen mit Afghanen, die am öftesten subsidiären Schutz für sich beanspruchen können. Immerhin sind offiziell auch 12.245 Personen im Jahr 2019 außer Landes gebracht worden. 

Viel rascher sanken die Asyl-Zahlen übrigens noch im Jahr 2018 und - jetzt kommen wir zum wirklich spannenden Part - noch in der ersten Hälfte des Jahres 2019. Wer war da noch einmal Innenminister? Zum Jahreswechsel 2019/20 entwickelte sich die Situation hingegen schon wieder in eine äußerst bedenkliche Richtung, was erst am Ende des Artikels zugegeben wird. Wir wollen ja nicht gleich das böse Wort "versteckt" benutzen. Oder doch? Vielleicht wollten die ORF-Schreiberlinge aber nur den positiven Grundtenor nicht stören. 

Doch die jüngsten Entwicklungen zeichnen ein ganz anderes Bild der Situation. Nämlich dass mit Türkis-Grün auch der Asylanten-Strom zurückkehren dürfte. Wir zitieren aus dem vorletzten Absatz des Artikels: "Laut Innenministerium ist die Lage weiterhin volatil. So war der Dezember 2019 der antragsstärkste Monat des Vorjahres, im Jänner 2020 wurden über 1.500 Anträge gestellt, eine Steigerung von 48 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat 2019."

Das klingt jetzt aber so gar nicht mehr nach Rückgang, eher nach Trendwende. Denn schon im Dezember 2019 gab es offenbar einen spürbaren Schwenk nach oben und der Jänner 2020 sollte mit einem Plus von fast 50 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres alle Alarmglocken schrillen lassen. Doch von dieser selbst für einen Blinden offensichtlichen Trendwende erwähnt man beim ORF kein Wort. Man lässt das unter "Volatilität" laufen. Klar, alles andere würde ja nur der FPÖ helfen - wir kennen diese immerwährend gültige Argumentation. 

Die wichtigsten Informationen werden also wie immer in solchen Situationen am Ende des Artikels und hinter beschönigenden Formulierungen versteckt. Von Faktencheck und qualitätsjournalistischer Interpretation ist wie gewohnt in solchen Zusammenhängen keine Rede. Alles wird gut. Kritische Geister dürfen sich hingegen, wie es aussieht, schon mal vorsorglich auf die nächste Runde des Willkommensklatschens einstellen. Zumindest davon wird der ORF dann wieder ganz offen und in großen Lettern berichten...