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Mittagsjournal

AndereÖ1, Mi, 18.03.2020, 13:29 | Werner Reichel

Ernst Gelegs ist in seinem Element. Der gebührenfinanzierte Orbán-Hasser zieht minutenlang vom Leder, lässt kein gutes Haar an der ungarischen Regierung, stellt sie in Bezug auf die Corona-Epidemie als einen Haufen von Versagern dar. Er spricht von „inkohärenter Politik“, Maßnahmen seien „völlig unverständlich“, „unlogisch“ und es gäbe „unverständliche Regeln“. Gelegs sagt über Orbán, was er immer über ihn sagt, diesmal nur noch etwas heftiger.

Auch die ungarische Informationspolitik sei stockend, „wie es so ist in einer illiberalen Demokratie“, wettert Gelegs, der ja ein journalistisches Musterbeispiel an Objektivität und Äquidistanz ist. Die Ungarn werden zwar täglich über die aktuelle Lage informiert, aber das ist Gelegs zu wenig, denn zu den ungarischen „Hotspots“ gäbe es keine Infos, klagt der ORF-Mann. Da sollten sich die Ungarn - bitteschön - ein Beispiel an Tirol nehmen.

Angesichts des von Gelegs konstatierten Versagens der ungarischen Regierung müssten in unserem Nachbarland schreckliche Zustände herrschen. Dem ist aber nicht so. Könnte es sein, dass die Ungarn das eine oder andere richtig machen? Etwa, dass man die Abschottung des Landes ernst nimmt und nicht nur in den Medien vollmundig verkündet?

Was Gelegs und die Ö1-Moderatorin im Studio an Orbán aktuell so erbost, dass Ungarn die Grenzen tatsächlich dicht gemacht und es nicht bei Ankündigungen belassen hat. Gelegs wittert eine Verschwörung bzw. einen Racheakt gegen Österreich. Schließlich habe die ÖVP für den Rauswurf von Orbáns Partei FIDESZ aus der EVP gestimmt und Orbán habe sich über die österreichischen Kontrollen an der gemeinsamen Grenze stets geärgert, so Gelegs.

Dass Ungarn die Grenzen als Maßnahme gegen die Corona-Pandemie geschlossen haben könnte, auf die Idee kommt er nicht. Wie auch, schließlich ist grundsätzlich alles, was Orbán macht, dumm, hintertrieben oder gefährlich.

Der ungarische Ministerpräsident sei nämlich „böse“ auf die ÖVP, weshalb - phantasiert Gelegs weiter - er angesichts der Staus auf österreichischer Seite „nun in sich hineinläche“. Ich phantasiere jetzt wie Gelegs: Der ORF-Mann stellt sich das vermutlich wie in einem James-Bond-Film vor, wo die Bösewichter, die die ganze Welt beherrschen wollen, auch gerne diabolisch und leicht irre in sich hineinlachen.

Das Gelegs-Gespräch hätte besser bei einem guten Therapeuten stattfinden sollen, nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zudem sollte der ORF sich mit Vorwürfen gegenüber anderen Regierungen und Staaten in Sachen Corona etwas zurückhalten, solange er seinen grünen Gesundheits-Rudi medial heiligsprecht.

Schließlich ist Österreich aufgrund von Untätigkeit und Fehleinschätzungen für die großflächige Verteilung des Corona-Virus über ganz Europa mitverantwortlich. Etwas, was nicht einmal Gelegs Orbán vorwerfen kann.